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 Aktuell 

Glauben und Religiosität in- und ausserhalb der Gotteshäuser

Erste Ergebnisse der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2014

Die Vielfalt religiöser Praktiken und Glaubensformen hat zugenommen, obschon quer durch die Religionsgemeinschaften religiöse Einrichtungen, wie Kirchen oder Moscheen, eher selten besucht werden. Nur die Mitglieder evangelikaler Gemeinden sind eifrige Gottesdienstbesucher. Die grösste Distanz zu ihren Gottesdiensten zeigen dagegen die Mitglieder von muslimischen Gemeinschaften auf: Fast die Hälfte der befragten Muslime und Musliminnen geht nie in eine Moschee. Hingegen glaubt über alle Religionen und Konfessionen hinweg fast jede zweite Person an einen einzigen Gott und fast jede vierte Person an eine höhere Macht. Ferner finden sich auch unter den Konfessionslosen religiöse oder spirituelle Menschen.

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) hat die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik (BFS) 2014 durchgeführten Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK) zusammengefasst.

Download Publikation BFS



Digitalisierung der Schweizerischen Kirchenzeitung

Die Schweizerische Kirchenzeitung ist neu für die Jahrgänge 1832–2014 unter www.e-periodica.ch frei zugänglich.

E-Periodica ist die Plattform der ETH-Bibliothek für digitalisierte Schweizer Zeitschriften. Auf ihr kann die Schweizerische Kirchenzeitung kostenlos eingesehen werden. Allerdings werden die einzelnen Jahrgänge erst nach einer Sperrfrist von zwei Jahren aufgeschaltet. Für Abonnentinnen und Abonnenten ist die aktuelle SKZ über www.kirchenzeitung.ch zugänglich.

Unter E-Periodica wie auch unter der SKZ-Homepage ist eine Volltextsuche möglich. Die einzelnen Artikel können unter E-Periodica als PDF-Dateien heruntergeladen werden. Die SKZ konnte dank Unterstützung der Eidgenossenschaft und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz digitalisiert werden.



RKZ leistet CHF 150‘000 an Fonds für Opfer von sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld

Bistümer, kantonalkirchliche Körperschaften und Ordensgemeinschaften schaffen einen Genugtuungsfond für die Opfer verjährter Fälle sexueller Übergriffe in der Pastoral. Der Präsident des zuständigen Fachgremiums, Giorgio Prestele, erläutert die Hintergründe auf kath.ch.


«Kirche hat mit Heimat und Werten zu tun»

100 Tage Luc Humbel als RKZ-Präsident

Seit dem 1. Januar 2016 ist Luc Humbel der neue Präsident der Römisch-katholischen Zentralkonferenz der Schweiz RKZ. Das katholische Medienzentrum kath.ch hat ihn besucht…



© 2014 Lupo / pixelio.de

Kirche als Service public

Zum Bericht der Konsumentenzeitschrift K-Tipp «Heirat und Erdbestattung bleiben möglich»

In ihrer Ausgabe vom 6. April 2016 thematisierte die in der Deutschschweiz weit verbreitete Konsumentenzeitschrift K-Tipp das Thema Kirchenaustritt. Der Grundtenor des Artikels lautet: Ein Kirchenaustritt bleibt für den Empfang von Sakramenten und für die kirchliche Bestattung folgenlos. «Auch wenn Braut und Bräutigam aus der Kirchgemeinde ausgetreten sind, dürfen sie in der Kirche heiraten. Und eine Beerdigung durch einen Pfarrer ist ohne Mitgliedschaft in der Kirchgemeinde möglich.» Für diese Auffassung beruft sich der K-Tipp insbesondere auf den Sprecher des Bistums Chur, Giuseppe Gracia, sowie auf den Basler Bistumssprecher Hansruedi Huber.

Stellungnahme der RKZ

Die RKZ nahm zu diesem Beitrag kritisch Stellung. Sie wies insbesondere darauf hin, dass die Kirchensteuern die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Kirche ihren Service public erbringen kann. Die Solidarität aus finanziellen Gründen zu kündigen und gleichwohl Dienstleistungen zu beziehen, komme dem «Schwarzfahren» gleich. Zudem wies die RKZ darauf hin, dass die Bischöfe die Seelsorgenden keineswegs auffordern, unkritisch jeden Wunsch zu erfüllen, sondern auf den konkreten Einzelfall einzugehen. Einen pauschalen Rechtsanspruch der Ausgetretenen auf Sakramente, wie ihn der K-Tipp nahelegt, sehen die Richtlinien der Bistümer nicht vor.

Informationen zu Handen der Mitglieder der RKZ

Ihre Mitglieder und deren Informationsbeauftragte machte die RKZ zusätzlich auf die Regelungen zu den Austrittswilligen des Bistums Basel, aufmerksam. Dort heisst es ausdrücklich: «Im Bistum Basel gehören Gliedschaft in der Kirche und Zugehörigkeit zur staatskirchenrechtlichen Institution zusammen. Nur in wenigen Ausnahmesituationen können sie als voneinander getrennt betrachtet werden. Ob eine solche Situation vorliegt, prüft das Bistum in einem festgelegten Verfahren.» Den Bistümern sind die Austritte nicht gleichgültig.

Berichterstattung und Weiterführung des Themas durch kath.ch

Während der K-Tipp an seiner Darstellung festhielt und sich nicht bereit erklärte, die Stellungnahme der RKZ abzudrucken, nahm kath.ch das Thema in mehreren Beiträgen auf. So berichtete kath.ch über die «harsche Kritik» der RKZ am K-Tipp, befragte den Kirchenrechtler Urs Brosi zu den rechtlichen Aspekten des Themas, und holte auch Stimmen zum konkreten Umgang von Seelsorgern mit Personen ein, die aus der Kirche ausgetreten sind, aber deren Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchten.



Sehen und gesehen werden.

Buch zum 50-jährigen Bestehen des RPI

Liest man die ältesten Dokumente zur Entstehung der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, stösst man auf das KIL. Das «Katechetische Institut Luzern», das vor rund zehn Jahren in RPI, «Religionspädagogisches Institut» umbenannt wurde, war 1964 als Luzerner Gründung entstanden. Aber die Studierenden kamen aus der ganzen Deutschschweiz, und deshalb richtete das Institut Finanzierungsgesuche an weitere Landeskirchen. Diese Gesuche, von denen man wusste, dass es angesichts der vielfältigen Aufbrüche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht die einzigen bleiben würden, veranlassten Moritz Amherd, Generalsekretär der Zürcher Körperschaft, und Vertreter anderer kantonaler Körperschaften, miteinander Kontakt aufzunehmen und sich bezüglich des Umgangs mit solchen Anfragen abzusprechen. Daraus entstanden – unter tatkräftiger Mithilfe des Fastenopfers – die «Mitfinanzierung» und die Zentralkonferenz.

2014 konnte das RPI seinen 50. Geburtstag feiern – und nahm dies zum Anlass für eine Standortbestimmung. Referate anlässlich der Jubiläumstagung und eine Artikelserie in der Schweizerischen Kirchenzeitung boten die Grundlage für das nun erschienene Buch mit «Impulsen zu 50 Jahren Religionspädagogik in der Schweiz», das am 20. April 2016 in Luzern präsentiert wurde. Es ist keine Festschrift, in der das RPI sich selbst feiert. Vielmehr besteht es aus unterschiedlichen Beiträgen zu den aktuellen Herausforderungen religionspädagogischer Ausbildung und Tätigkeit. Hinzu kommen instruktive historische Rückblicke und einige Interviews mit Absolventinnen und Absolventen aus den 50 Jahrzehnten.

Weitere Informationen bietet das Referat von Daniel Kosch zur Buchvernissage: «Von der Hilfskatechetin zur Dipl. Religionspädagogin RPI». Ein Kommentar zu Monika Jakobs (Hg.), Sehen und gesehen werden. Impulse zu 50 Jahren Religionspädagogik in der Schweiz: Edition NZN bei TVZ, Zürich 2016.



Was macht eigentlich genau: das Centre catholique romand de formations en Eglise (CCRFE)

Geschichten aus der Mitfinanzierung FO/RKZ

Frau Minassian, seit 2014 gehören Sie zur Leitung des damals neu gegründeten «Centre catholique romand de formations en Eglise (CCRFE)», das für Aus- und Weiterbildungsangebote in der Romandie zuständig ist. Was steht im nächsten Halbjahr besonders gross in der Agenda des CCRFE?

Auf Wunsch der Conférence des ordinaires romands (COR, die welsche Entsprechung zur DOK) sind wir daran, das aus dem Jahr 2003 stammende «Concept global de la formation», ein Grundlagenpapier für kirchliche Aus- und Weiterbildung in der Romandie, zu überarbeiten und auf den neusten Stand zu bringen. Weiter werden wir eine verbesserte Ausbildung für die ständigen Diakone anbieten (die in der Romandie kein Theologiestudium absolvieren und nebenamtlich tätig sind) und das Weiterbildungsangebot für die Priester und die in der Seelsorge tätigen Laien überdenken. Schliesslich beschäftigen sich verschiedene Arbeitsgruppen mit der Entwicklung neuer Formen für die Berufsentscheidung und für die Begleitung der Seelsorgenden und der Seelsorgeteams.

Stellen Sie sich vor, Sie können Ihre Pläne in den nächsten drei Jahren erfolgreich umsetzen und erreichen all Ihre Ziele. Was ist dann anders? Woran merken Ihre Zielgruppen, dass sich etwas verändert hat?

Unsere Überlegungen und Empfehlungen betreffen sehr unterschiedliche Formen von Kirche in der Westschweiz. Zudem liegt uns sehr viel daran, die jeweils vor Ort verantwortlichen Personen mit einzubeziehen, damit diese Vielfalt wirklich berücksichtigt wird. Unsere Angebote sollen allen offenstehen und wir möchten mit einheitlichen Kriterien den Zusammenhalt und die Gegenseitigkeit stärken.

Welche Rolle spielt freiwilliges Engagement beim CCRFE? Was tun Sie, um freiwilliges Engagement zu fördern? Was für Zusatzkosten würden entstehen, wenn sie die freiwillige Arbeit bezahlen müssten?

Hauptsächlich arbeiten wir mit qualifizierten Ausbildnerinnen und Ausbildnern zusammen. Einige davon sind bereit, auf ein Honorar zu verzichten und ihre Arbeit unentgeltlich zu leisten. Aber das Thema Freiwilligkeit ist für uns wichtig. Wir haben ein Ausbildungsmodul geschaffen, das dazu befähigt, freiwilliges Engagement zu fördern und die Kirchenmitglieder zu motivieren, ihre Berufung als Getaufte und Gefirmte in Form eines freiwilligen Engagements zu verwirklichen.

Sie erhalten von Fastenopfer und RKZ jährlich einen Betriebsbeitrag. Welches ist der konkrete Gegenwert in Form von Leistungen zu Gunsten der Kirche?

Wir sind das Kompetenzzentrum für die Ausbildung und Begleitung der künftigen Priester und Laienmitarbeiter/innen in der Westschweiz und fördern auch das Nachdenken über deren Zukunft. Darüber hinaus begegnen sich die Absolventen verschiedener Ausbildungsgänge im CCRFE und erleben dort Gemeinschaft, was für das künftige Miteinander der unterschiedlichen Ämter und Dienste sehr wichtig ist. Damit leisten wir für die Bistümer und das kirchliche Leben in der Romandie einen sehr wichtigen Dienst.

Wenn Sie als Institution einen Wunsch an das für Sie zuständige Gremium der Kirchenleitung (SBK, COR, DOK) richten könnten: Was würden Sie sich wünschen?

Wir fühlen uns von der COR seit der Schaffung des CCRFE sehr unterstützt und sind ihr dafür dankbar. Wir wünschen uns, dass diese Unterstützung auch in Zukunft bestand hält. Wir benötigen sie insbesondere wenn es darum geht, die sich abzeichnenden künftigen Herausforderungen anzugehen und unser Angebot entsprechend anzupassen. Der direkte Gedankenaustausch mit den Mitgliedern der COR, ihre Teilnahme an unseren «Denktagen» zur kirchlichen Bildungsarbeit, ihre Mitarbeit als Kursleiter und Referenten und ihre Visionen von einer künftigen Pastoral sind für uns sehr hilfreich. 

Steckbrief CCRFE

Gründungsjahr2014

Wichtigste
Dienstleistungen

  • 3-jährige Ausbildung für Laien im kirchlichen Dienst durch das Institut de formation aux Ministères (IFM)
  • Aus- und Weiterbildungen für Priester, Diakone und Laien
  • Durchführung des Einführungsjahrs vor der eigentlichen Ausbildung und des Pastoraljahrs als Berufseinführung 
ÄltesteR MitarbeiterInDer Theologe und Ausbildner Mario Poloni mit 67 Jahren
JüngsteR MitarbeiterInDer Leiter unserer Administration mit 32 Jahren
Anteil FO/RKZ-Beitrag am Gesamtbudget
56%
Link zur Website

http://ccrfe.ch/ 



Milizengagement als Wettbewerbsvorteil

Im Gespräch mit Tibère Adler, Direktor des think tanks Avenir Suisse für die Romandie.

Herr Adler, Sie haben im Auftrag von Avenir Suisse ein Buch veröffentlicht, das Massnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Milizengagement in der Schweiz fordert. Warum interessiert sich ein Wirtschaftsverband für dieses Thema?

Das Milizsystem, wie wir es in der Schweiz kennen, besteht im bürgerschaftlichen Engagement in der Gesellschaft, sei es in der Armee, in der Politik, in den Kirchen oder im Vereinsleben. Diese Beteiligung ist in unserem Land sehr ausgeprägt. Es handelt sich um eine Säule unserer nationalen Identität, vergleichbar mit der direkten Demokratie oder mit dem Föderalismus. Dieser Geist der Mitverantwortung für das Ganze verschafft unserem Land eine Art Wettbewerbsvorteil im Vergleich mit anderen. Er stärkt die Identität und eine Form bürgerschaftlicher Gesellschaftsverantwortung, die es zu ermutigen und zu bewahren gilt. Das ist der Grund, weshalb Avenir Suisse sich für das Thema interessiert; denn Avenir Suisse versteht sich als think tank für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten. Unsere Stiftung beschränkt sich nicht auf den Bereich der Wirtschaft.

Avenir Suisse stellt als eine mögliche Massnahme zur Stärkung des Milizsystems die Einführung eines „Bürgerdienstes“ zur Diskussion. Was ist damit gemeint? Könnte man diesen Bürgerdienst auch in Form von Milizengagement in einer der anerkannten Kirchen leisten?

Der Bürgerdienst wäre eine neue Form des Dienstes, geprägt von der Absicht, den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, der für eine Schweiz in guter Verfassung zentral ist. Das Konzept sieht vor, dass alle Mitbewohner – Frauen, Männer, Einheimische oder in der Schweiz wohnhafte Ausländer – einen Teil ihrer Zeit (z.B. 200 Tage in einem bestimmten Zeitraum) für Tätigkeiten einsetzen müssten, die der Gemeinschaft zu Gute kommen. Dieser Bürgerdienst könnte wie bisher in der Armee oder im Zivildienst geleistet werden. Aber es könnten künftig auch andere Aktivitäten wie jene in einer (anerkannten) Kirche oder in einer Gemeindebehörde anerkannt werden.

Anlässlich einer Tagung der RKZ zum Thema haben Sie nicht nur ein Referat gehalten, sondern auch beobachten können, wie Kirchenleute mit das Thema Milizengagement diskutieren. Haben Sie im Vergleich mit der Diskussion in anderen Kreisen, z.B. in der Politik oder in der Wirtschaft, andere Akzente oder Fragestellungen festgestellt?

Was mich erstaunt hat, ist dass die Probleme der rückläufigen Beteiligung im Milizengagement sich für die Kirchen genau gleich stellen wie in den anderen Bereichen, in der Politik oder in den Vereinen. Die Schwierigkeiten sind dieselben: Zeitmangel, Auseinanderfallen von Wohn- und Arbeitsort, Vereinbarkeit mit Beruf und Familie. Der strukturierte, institutionelle und formelle Charakter des Milizengagements stossen zunehmend auf Ablehnung, vornehmlich bei den Jungen. Warum auch soll man sich in einem Vereinsvorstand mit endlosen Sitzungen vor Ort engagieren, während es so einfach ist, eine Facebook-Gruppe ins Leben zu rufen?

Haben Sie Erwartungen an die Kirchen im Zusammenhang mit dem Thema Milizengagement? Was könnte aus Ihrer Sicht deren spezifischer Beitrag zur Stärkung des Milizsystems in der Schweiz sein?

Über ihren Grundauftrag hinaus können die Kirchen das Milizsystem in der Schweiz am Leben und in Bewegung halten. Wenn sie sich nur auf streng religiöse Aktivitäten im innersten Kreis ihrer Mitglieder beschränken, sind sie für Menschen, die sich neu beteiligen möchten, wenig attraktiv. Aber wenn sie sich für das Gemeinwohl einsetzen, profitieren sie von grosser Glaubwürdigkeit und von einem Vertrauen in die Ernsthaftigkeit ihres Engagements, womit sie viel bewegen können. Das ist kein Widerspruch. Je praktischer und konkreter das Milizengagement, desto zahlreicher jene, die sich beteiligen – und umso mehr blüht das Engagement und entfaltet Wirkung.

Wenn Sie den Verantwortlichen drei konkrete Massnahmen zur Förderung des Milizengagements in den Kirchen vorschlagen müssten: Was würden Sie anregen?

Ich würde drei Dinge empfehlen:

  • Projektartiges Vorgehen. Milizengagement, das ein institutionelles Engagement erfordert, ist nicht sehr attraktiv und stellt besondere Anforderungen. Projekte sind zugänglicher. Die Kirchen müssen lernen, zahlreiche Projekte zu entwickeln, sich immer wieder zu erneuern, statt Strukturen zu erhalten, die unveränderbar erscheinen.
  • Formalismus und Bürokratie vermeiden. Selbst gut gemeinte Bürokratie schreckt ab und entmutigt jene, die sich engagieren möchten.
  • Den Beitrag zum Gemeinwohl in den Vordergrund stellen und jeden Eindruck vermeiden, man wolle Menschen beteiligen, um sie zu «missionieren». Glaube ist etwas sehr persönliches. Die Kirchen können mehr bewirken, wenn sie nicht ausschliesslich die praktizierenden Gläubigen in den Blick nehmen.

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Sind kirchlich engagierte Frauen und Männer stärker freiwillig engagiert als Kirchenferne?

Im Gespräch mit Theo Wehner, emeritierter Professor für Arbeits- & Organisationspsychologie der ETH Zürich.

Herr Prof. Wehner, seit vielen Jahren erforschen Sie als Arbeitspsychologe freiwilliges Engagement in unserer Gesellschaft. Wie sind Sie dazu gekommen, diesem Thema so viel Aufmerksamkeit zu schenken?

Ob Arbeitspsychologen, -pädagogen, Industriesoziologen oder ingenieurwissenschaftlich orientierte Arbeitsforscher, alle befassen sich primär mit der Erwerbsarbeit. Diese ist – wie gerecht auch immer – entlohnt und unterscheidet sich damit qualitativ von der unbezahlten Freiwilligenarbeit und auch von der Miliztätigkeit, die – so zumindest die Idee – geringfügig entschädigt wird. Alles was man nun über die Motive, Einstellungen und Gestaltungskriterien für gute Erwerbsarbeit weiss, lässt sich – so unsere Ausgangsthese, die wir auch bestätigen konnten – nicht 1:1 auf die Freiwilligenarbeit übertragen. Um also unbezahlte Arbeit ebenfalls bewerten und gut gestalten zu können, um Freiwillige zu rekrutieren, gut zu begleiten und zu unterstützen etc., muss man die Motive hierfür auch gesondert untersuchen.

In Diskussionen um die Bedeutung der Kirchen für die Gesellschaft und um ihre staatliche Förderung, betonen diese regelmässig den hohen Stellenwert der Freiwilligenarbeit. Sind kirchlich engagierte Frauen und Männer stärker freiwillig engagiert als Kirchenferne?

Freiwilligenarbeit ist in erster Linie Ausdruck persönlicher Werte. Das gilt für alle und nicht nur für jene, die religiös orientiert oder in den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen eingebunden sind. Bei den Beweggründen zur Freiwilligenarbeit spielt der Glaube deshalb auch keine ausschlaggebende Rolle: Spass an der Tätigkeit, gemeinsam etwas bewegen und helfen wollen belegen weltweit die ersten Plätze. Bei den Engagementbereichen liegen Religionsgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen in den meisten Freiwilligensurveys zwar vor Kultur und Freizeitbereichen, aber immer hinter (Vereins-)Sport und Bewegung und haben z.Zt., wie die meisten Engagementbereiche, auch mit leicht rückläufigem Zulauf zu tun. Was hervorzuheben ist, ist die Tatsache, dass kirchliche Organisationen, gegenüber vielen anderen Bereichen sehr intergenerational sind: alt und jung, finden hier besonders gut zusammen.

Vor einigen Jahren haben Sie das Milizengagement von reformierten Kirchenpflegerinnen und Kirchenpflegern im Kanton Zürich untersucht. Welches waren die spannendsten Ergebnisse?

Da der Vogelflug über die Alpen besser untersucht ist, als das Schweizer Milizsystem, sind fast alle Ergebnisse spannend. Hervorheben lässt sich jedoch, dass die Freiwilligen in der Kirchenpflege sehr zufrieden sind, dass sie ihre Tätigkeit (stärker als in der Schulpflege) im Kontrast zur Erwerbsarbeit erleben und auch die Entschädigung für „angemessen“ halten; dies wiederum stärker als Schulpflegerinnen und Freiwillige in der politischen Gemeindearbeit. Gleich wie in der klassischen Freiwilligenarbeit suchen die Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger weder einen Berufsausgleich noch Kompetenzerwerb für den Beruf; auch ein etwaiger Zuverdienst steht an letzter Stelle der Beweggründe. Was dieser Personenkreis will ist: Einfluss nehmen, etwas bewirken und sich nützlich machen.

Wenn Sie den Verantwortlichen drei konkrete Massnahmen zur Förderung des Milizengagements in den Kirchen vorschlagen müssten: Was würden Sie anregen?

Es ist sicher anregend, sich mit den momentanen Fallstricken der Freiwilligenarbeit und insbesondere mit der Miliztätigkeit auseinanderzusetzen und dann für die jeweils eigene Institution ein angemessenes Vorgehen zu wählen. Die Stolpersteine liegen für die Zivilgesellschaft und für das Individuum 

  • in der Abwertung des Laienwissens und in der Überhöhung professionellen Wissens,
  • in der Managementisierung und Verbürokratisierung der freiwilligen Engagementbereiche und
  • im Fehlen einer phantasievollen Anerkennungs- und Beteiligungskultur für potenzielle Freiwillige: Das Reservoir potenziell freiwilliger nämlich ist innerhalb der Gesellschaft noch lange nicht ausgeschöpft.

Literaturhinweis: Wehner, T. & Güntert, S. (Hrsg.); 2015; Psychologie der Freiwilligenarbeit; Springer Verlag; Berlin.

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Los geht’s, wir machen die Welt schöner!

make up! Unter dieses Motto stellt der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF), der mitgliederstärkste konfessionelle Verband in der Schweiz, seine Arbeit in den Jahren 2017-2020.

make up! als Haltung. make up! ermöglicht begeistertes und wirksames Handeln. make up! bedeutet bilden, gestalten, erfinden, zusammenbringen. Ins Zentrum von make up! stellt der Frauenbund drei zentrale Anliegen: Flüchtlinge, Care und Mitwelt/Schöpfung. Konkret:

  • Viele Frauenvereine suchen Anregungen, um mit Geflüchteten in Kontakt zu kommen. Der SKF zeigt, wie das geht. Nicht «für» Schutzsuchende, sondern mit ihnen zusammen.
  • Alle Frauenbund-Frauen leisten Betreuungs-, Pflege-, Sorge- und Beziehungsarbeit – auch für sich selber. Der SKF hilft erkennen, was an Unterstützung vorhanden ist, und wie die Verbandsmitglieder einstehen für das, was noch fehlt.
  • Wer hätte das gedacht: Schon kleine Impulse genügen für Verhaltensänderungen, und diese machen glücklich.

Fastenopfer und RKZ haben mit dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund für die Jahre 2016 bis 2018 eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen und unterstützen den Verband mit 175‘000 Franken pro Jahr. Der Frauenbund investiert sie nicht ins eigene Make up, sondern in Bildungsarbeit und in die Leitung eines Verbandes von über 120‘000 Frauen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Welt schöner zu machen.

Den Start markiert eine Impulstagung des SKF am 23. und 24. September 2016

www.frauenbund.ch



Kirchgemeinden entdecken Umweltmanagement

Im September 2016 startet der schweizweit erste Lehrgang «Kirchliches Umweltmanagement».

Der «Grüne Güggel» ist das Zertifikat für Kirchgemeinden mit systematischem Umweltmanagement. Mit diesem Umweltzertifikat darf sich eine Kirchgemeinde schmücken, wenn sie ein vorgegebenes 10-Punkte-Programm erarbeitet und dieses von einem Gutachter prüfen lässt. Ziel ist die Verbesserung der Umweltleistung der Kirchgemeinde, sei es beim Sparen von Energie, bei der Förderung der Vielfalt von einheimischen Pflanzen und Tieren, beim Einkauf von umweltgerechten Produkten oder bei der Abfalltrennung.

Neuer Lehrgang «Kirchliches Umweltmanagement»

Ab diesem Herbst bietet die oeku einen neuen Lehrgang an, bei dem die zehn Schritte zum Umweltzertifikat erlernt werden können. Der Kurs dauert insgesamt sechs Tage von September 2016 bis April 2017 und richtet sich an Personen, die Kirchgemeinden zum «Grünen Güggel» führen wollen. Das können Kirchgemeinderäte, kirchliche Angestellte, Personen aus dem Pfarrteam, SigristInnen oder Ehrenamtliche sein. Während des Lehrgangs werden Kirchgemeinden besucht, die im Umweltmanagement bereits aktiv sind. So werden praktische Beispiele und die Personen dahinter vor Ort kennengelernt. Die Teilnehmenden erhalten ein Abschlusszertifikat und erarbeiten sich das Wissen, mit dem sie Kirchgemeinden bis zum internen Audit begleiten können.

Weiter Informationen:
Flyer Informationsabend
www.oeku.ch 



© Blick, Peter Gerber

RKZ diskutiert hohe Flüchtlingszahlen und Unternehmenssteuerreform

Medienmitteilung zur Plenarversammlung der RKZ vom 18./19. März 2016 in Gerzensee (BE).

Die Plenarversammlung der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) vom 18./19. März 2016 befasste sich in Gerzensee (BE) mit zwei politisch hoch aktuellen Themen, die auch die Kir-chen stark beschäftigen: Den hohen Flüchtlingszahlen und der Unternehmenssteuerreform III. Ein wei-teres wichtiges Geschäft war die Neuregelung der Finanzierung pastoraler Aufgaben und der Zusam-menarbeit mit der Bischofskonferenz in diesem Bereich.

Medienmitteilung vom 19. März 2016