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KIRCHENFINANZIERUNG   

Quellen der Kirchenfinanzierung
Verteilung der Kirchenfinanzen auf die unterschiedlichen Ebenen
Entwicklung der Kirchenfinanzen
Finanzierung der RKZ und ihrer Aufgaben
Die Zukunft der Kirchenfinanzierung

 

Eine der Hauptaufgaben der staatskirchenrechtlichen Strukturen ist die Schaffung der materiellen Voraussetzungen für das kirchliche Leben. Als gesamtschweizerisches Kompetenzzentrum und aufgrund ihrer eigenen Aufgaben bei der Finanzierung gesamtschweizerischer und sprachregionaler Institutionen und Projekte der römisch-katholischen Kirche befasst sich die RKZ mit den unterschiedlichen Formen der Kirchenfinanzierung, mit der finanziellen Situation der Kirche in den Kantonen sowie mit dem Verhältnis zwischen «Geld» und «Geist», d.h. zwischen Kirchenfinanzen und pastoralem Handeln der Kirche.

 

Quellen der Kirchenfinanzierung

Die Beschaffung der Mittel für die Finanzierung kirchlicher Aufgaben kann grundsätzlich auf verschiedene Weise organisiert werden. Das Kirchenrecht trägt diesem Umstand Rechnung, indem es unterschiedliche Finanzierungssysteme zulässt und auf die Gesetze und Gewohnheiten des jeweiligen Landes verweist (CIC, can. 1263). In der Schweiz stammen die Mittel aus mehreren Quellen:

  • Kirchensteuern und Kirchenbeiträge
  • Staatsbeiträge
  • Freiwillige Spenden
  • Eigene Erträge

Kirchensteuern und Kirchenbeiträge

  • In den meisten Kantonen ist die Entrichtung der Kirchensteuer für die Kirchenmitglieder obligatorisch. Ausnahmen bilden die Kantone Genf und Neuenburg. In der Waadt werden die Aufgaben der Kirche durch Staatsbeiträge finanziert. Der Kanton Tessin kennt ein Mischsystem. Im Wallis kommen hauptsächlich die politischen Gemeinden für die Besoldung der Seelsorger und den Unterhalt der Kirchen auf Pfarreiebene auf.
  • In vielen Kantonen liegt die Steuerhoheit bei den Kirchgemeinden. Es handelt sich also um eigentliche Kirchgemeindesteuern. Die kantonalkirchlichen Organisationen bzw. Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden werden über die Beiträge der Kirchgemeinden finanziert. In einzelnen Kantonen verfügen die kantonalkirchlichen Organisationen auch über direkte Steuereinnahmen.
  • Berechnungsgrundlage und Höhe der Kirchensteuern sind vielfältig. In 20 der 26 Kantone sind auch die juristischen Personen steuerpflichtig, in den übrigen nur die natürlichen Personen.

Auch wenn diese Kirchensteuern und -beiträge vielerorts von den staatlichen Behörden eingezogen werden, liegt die Steuerhoheit bei den staatskirchenrechtlichen Organisationen (Kirchgemeinden, kantonalkirchliche Körperschaften) und nicht etwa beim Staat. Der Staat bietet der Kirche die Steuerhoheit lediglich an – die Kirche muss diese nicht in Anspruch nehmen, d.h. ihre Freiheit wird dadurch in keiner Weise einschränkt. Der Staat verknüpft die Gewährung der Steuerhoheit allerdings mit der Bedingung, dass bei der Entscheidung über die Mittelverwendung demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten werden.

Die Gesamterträge der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz aus Kirchensteuern werden auf CHF 720 Mio. geschätzt.

Staatsbeiträge

Von den Kirchensteuern zu unterscheiden ist die Finanzierung kirchlicher Aufgaben mit Steuergeldern der politischen Gemeinden oder mit staatlichen Beiträgen an die Kultusausgaben, z.B. indem Kirchengebäude unterhalten, Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter besoldet oder die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Kirchen entschädigt werden.

Neben den Staatsbeiträgen für Kultuszwecke sind auch projektbezogene Beiträge der öffentlichen Hand zu erwähnen, die z.B. für soziale und karitative Projekte im In- und Ausland oder für die Integration von Migrantinnen und Migranten gewährt werden.

Freiwillige Spenden

Zu den Einnahmen der Kirche gehören neben Kirchensteuern, Staatsbeiträgen und Eigenleistungen auch Kollekten für kirchliche Aufgaben, freiwillige Spenden, organisierte Sammlungen von Hilfswerken, ein freiwilliger Besoldungsausgleich zwischen Priestern u.a.m.

Von grosser Bedeutung für die Finanzierung überdiözesaner und überkantonaler Aufgaben sind die Spenden, die das Fastenopfer erhält. Dessen Mittel (sogenannter «Inlandteil» des Fastenopfers) sind neben den Beiträgen der RKZ die zweite wichtige Einnahmequelle der gemeinsamen Mitfinanzierung FO/RKZ.

Eigene Erträge

Eine weitere Quelle der Kirchenfinanzierung sind Einnahmen aus der Bewirtschaftung kirchlichen Grundbesitzes und kirchlicher Vermögenswerte, aus den Erträgen der Arbeit kirchlicher Institutionen oder aus kirchlichen Stiftungen.

 

Verteilung der Kirchenfinanzen auf die unterschiedlichen Ebenen

Die finanzielle Autonomie der Kirchgemeinden und der ausgeprägte Föderalismus in der Schweiz haben zur Folge, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel höchst unterschiedlich verteilt sind:

Verteilung der finanziellen Mittel auf die verschiedenen EbenenVerteilung der finanziellen Mittel auf die verschiedenen Ebenen

Vergleich Kirche – StaatVergleich Kirche – Staat

 

Entwicklung der Kirchenfinanzen

Die finanzielle Situation der einzelnen Kirchgemeinden und kantonalkirchlichen Organisationen hängt hauptsächlich von folgenden Faktoren ab:

  • Steuerbezugsrecht im Rahmen der öffentlichrechtlichen Anerkennung
  • Möglichkeit, auch juristische Personen zu besteuern
  • Wirtschaftskraft und konjunkturelle Situation
  • Entwicklung der Mitgliederzahlen

Die Unterschiede der Beitragsleistungen pro Kopf und damit auch die kirchliche Finanzkraft sind von Kanton zu Kanton und von Gemeinde zu Gemeinde sehr verschieden. Der durchschnittliche Ertrag pro Mitglied (Kirchensteuern bzw. freiwillige Beiträge) betrug im Jahre 2007 zwischen CHF 650 (Kanton Zug) und CHF 58 (Kanton Neuenburg).

 

Finanzierung der RKZ und ihrer Aufgaben

Die RKZ-Finanzen im Überblick
(PDF)

 

Die Zukunft der Kirchenfinanzierung

Bei Diskussionen über die Zukunft der Kirchenfinanzierung und insbesondere der Finanzierung der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz stehen folgende Themen im Zentrum:

  • Wie wird sich das Verhältnis zwischen Staat und Kirche(n) bzw. Religionsgemeinschaften langfristig entwickeln? Muss sich die Kirche auch mit alternativen Finanzierungsmodellen befassen?
  • Wird die Besteuerung juristischer Personen Bestand haben, oder wird sie über kurz oder lang wegfallen?
  • Wie und in welchem Ausmass können die diözesane und die nationale Ebene finanziell so ausgestattet werden, dass sie ihre Aufgaben sachgerecht wahrnehmen können?
  • Wie kann angesichts der sehr unterschiedlichen Kirchenfinanzierungsmodelle die Solidarität zwischen finanziell leistungsfähigen und finanzschwachen Kantonen sichergestellt werden?
  • Stehen die Bischöfe für das gegenwärtige Modell der Kirchenfinanzierung ein, das zwar eine gute finanzielle Basis sicherstellt, aber dazu führt, dass nicht die Organe der Kirchenleitung, sondern hauptsächlich die aus Laien bestehenden staatskirchenrechtlichen Organe über die Mittelverwendung entscheiden?
  • Wie gehen die Pastoral und die staatskirchenrechtlichen Instanzen mit jenen Menschen um, die sich zwar als Katholiken verstehen oder Angebote der Kirche in Anspruch nehmen, sich aber durch Kirchenaustritt bzw. Austritt aus der staatskirchenrechtlichen Körperschaft der Solidaritätspflicht entziehen?

In Bezug auf diese Fragen muss zweierlei in Erinnerung gerufen werden: Erstens, dass sich die Modelle der Kirchenfinanzierung zum Teil über sehr lange Zeit entwickelt und oft nur in kleinen Schritten verändert haben. Und zweitens, dass die Entwicklung entscheidend von der gesellschaftlichen Stellung und der Rolle der Kirche abhängt, die sie nur zu einem kleinen Teil selbst beeinflussen kann. Es gilt daher diesen historisch gewachsenen Modellen Sorge zu tragen und ihre jeweiligen Eigenheiten zu respektieren, zumal jedes Modell seine Stärken und Schwächen hat.


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