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Kirche und Gesellschaft » Zum Thema 

©Simon Sigg, Pfarreiforum

«Die vertrauten Kirchengestalten verschwinden»

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) präsentiert die neusten Daten aus der Religions- und Kirchenstatistik. Die Ergebnisse unterstreichen den fundamentalen Wandel in der Schweizer Religionslandschaft.

Teil 1: Konfessionslosigkeit wächst rasant

Die massive Zunahme von Personen die keiner Religionsgemeinschaft angehören hat dazu beigetragen, dass sich die Religionslandschaft der Schweiz in den letzten 20 Jahren stark verändert hat. Der Anteil der Konfessionslosen macht im Jahr 2014 fast einen Viertel der Bevölkerung aus. Die Anteile der beiden grossen Kirchen nehmen weiter ab und machen noch knapp zwei Drittel der Bevölkerung aus. Während die religiöse Pluralisierung überschaubar bleibt, zeigt sich durch die ungebremste Zunahme von Konfessionslosen ein starker Säkularisierungstrend.

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Teil 2: Kirchenaustritte nehmen weiter zu

Die anhaltend hohen Kirchenaustrittszahlen unterstreichen den Trend der letzten Jahre. So sind die Kirchenaustritte zwischen 2011/12 und 2015 sowohl in der römisch-katholischen als auch in der evangelisch-reformierten Kirche gestiegen. Besonders hoch liegt die Austrittsrate beider Grosskirchen in den Kantonen Basel-Stadt, Solothurn und Aargau. Die anhaltend hohe Tendenz zum Kirchenaustritt zeigt sich nicht nur in der Schweiz, sondern auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich.

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Teil 3: Die meisten Migrantinnen und Migranten sind Christinnen und Christen

Der Einfluss der Migration auf die Religionslandschaft der Schweiz ist bedeutend und beschleunigt die bekannten Entwicklungen. Die Mehrheit der zugewanderten Menschen in der Schweiz gehört einer christlichen Konfession an, der grösste Teil davon ist römisch-katholischen Glaubens. Die Migration verstärkt zudem sowohl den Trend zur Konfessionslosigkeit als auch den Trend zur zunehmenden Religionspluralisierung.

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© pexels.com unsplash CC0 License

Katholische Kirche erlebt keinen Exodus

Gastbeitrag von Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ, auf kath.ch

Das Bundesamt für Statistik und das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut haben kürzlich neue Zahlen zur Religions- und Kirchenstatistik publiziert. Diese werden auch von den Medien aufgenommen. So spricht zum Beispiel die NZZ in der Printausgabe (9. Februar 2017) von den «Schäfchen», die «davonlaufen» und in der Online-Ausgabe (8. Februar 2017) von einem «Exodus» an dem die katholische Kirche leide. Es dient auch den Kirchen nicht, wenn sie die Zahlen schönreden. Dennoch ist es wichtig, die Fakten klar und differenziert wahrzunehmen schreibt Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ, in seinem Gastbeitrag auf kath.ch



Der Vatikan. Das Wichtigste über den kleinsten Staat der Welt

Buchtipp

Jürgen Erbacher, anerkannter Vatikan-Journalist, hat ein gut lesbares und sehr hilfreiches Buch über den Vatikan veröffentlicht, von dem ja in kirchenpolitischen Diskussionen häufig die Rede ist. Anhand von Behauptungen und Klischees schildert er anschaulich die Geschichte, die Organisation, die Rolle des Papstes, die Bedeutung als Global Player und das Innenleben des Vatikans. Die päpstliche Unfehlbarkeit kommt ebenso zur Sprache wie die Schweizer Garde, die Vatikan-Finanzen ebenso wie die Rolle der Laien. Nicht nur für Romreisende, sondern auch für kirchenpolitisch interessierte eine spannende Lektüre oder ein hilfreiches Nachschlagewerk.

Jürgen Erbacher, Der Vatikan. Das Wichtigstes über den kleinsten Staat der Welt, Herder: Freiburg 2017, 190 Seiten



Genugtuungsfonds als konkretes Zeichen der Solidarität

Gebets- und Bussfeier vom 5. Dezember 2016 für die Opfer sexueller Übergriffe im kirchlichen Umfeld

Mit einem Bussgottesdienst und einer Pressekonferenz in Sitten setzte die Schweizer Bischofskonferenz am 5. Dezember 2016 ein deutliches Zeichen, wie ernst sie es mit dem Schuldbekenntnis, der Bereitschaft zur Aufarbeitung des Geschehenen und dem Willen zur Vermeidung neuer Fälle meint.

Schuldbekenntnis der Bischöfe

Der Gebets- und Bussfeier stand der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Charles Morerod, vor. Er bekannte im Gebet: «Grosse Schuld ist in unserer Zeit in der Kirche und auch in unseren Diözesen und Gemeinschaften offenbar geworden – eine Schuld Einzelner; eine Schuld, die auch durch bestimmte Strukturen sowie Verhaltens- und Denkmuster ermöglicht worden ist. Die Schuld ist mehrschichtig: der Übergriff, das gleichgültige Schweigen, die unterlassene Hilfe für das Opfer. Wir fühlen uns auf verschiedenen Ebenen verantwortlich und verdanken den Opfern, dass sie uns die Augen geöffnet haben.»

In der Pressekonferenz informierte Giorgio Prestele, Präsident des Fachgremiums für sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld, über den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellen Übergriffen. Neben der transparenten Information über die Zahl und Art der Fälle standen die vielen Präventionsmassnahmen im Zentrum seiner Darlegungen. Vorbeugung ist ein zentrales Anliegen.

Genugtuungsfonds als Ausdruck tatkräftiger Solidarität

Besonders bedrückend ist die Situation der Opfer früherer Übergriffe, die nach staatlichem und kirchlichem Recht verjährt sind, und die während langer Zeit von kirchlichen Instanzen weder Gehör noch Genugtuung erhalten haben. Für diese wurde ein Genugtuungsfonds eingerichtet. Er wurde von der Bischofskonferenz, den Orden und der RKZ geäufnet und wird von einer unabhängigen Kommission verwaltet.

Renata Asal-Steger, Vizepräsidentin der RKZ, nannte in ihrem Votum anlässlich der Pressekonferenz mehrere Gründe, weshalb sie sich stellvertretend für die kantonalkirchlichen Organisationen und Kirchgemeinden mit CHF 150‘000 am Fonds in der Höhe von einer halben Million Franken beteiligt: 

  • Die staatskirchenrechtlichen Körperschaften sind gemäss staatlichem Recht die Arbeitgeber vieler kirchlichen Mitarbeiter. Sie tragen eine hohe Mitverantwortung im Zusammenhang mit der Problematik sexueller Übergriffe. Diese betrifft die Prävention, die Sorgfalt bei Anstellungen und den Umgang mit Vorkommnissen. Diese Verantwortung ist rechtlicher und auch moralischer Natur.
  • Das Miteinander von bischöflichen und staatskirchenrechtlichen Instanzen ist gerade im Zusammenhang mit dem sensiblen Thema der sexuellen Übergriffe im kirchlichen Umfeld zentral, damit die Verantwortung gemeinsam wahrgenommen werden kann.
  • Vor allem aber will die RKZ ein konkretes Zeichen der Solidarität mit den Opfern von verjährten Übergriffen setzen. Es soll konkret sichtbar werden, dass es sich bei dieser Solidarität nicht um ein blosses Lippenbekenntnis handelt, sondern um «tätige Reue», wohl wissend, dass Geld den zugefügten Schaden und die erlittenen Nöte nicht beseitigen kann.

Mit Blick auf die Zukunft hielt Renata Asal-Steger fest, auch die Körperschaften wollten dazu beitragen, dass Übergriffe im kirchlichen Umfeld möglichst vermieden werden.

Links zum Thema
Medienmitteilung SBK
Bericht auf kath.ch 
Statement von Renata Asal-Steger



Kirchen in Bewegung

Neue Studie zu den christlichen Migrationsgemeinden in der Schweiz

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) hat eine neue Studie zum Thema der Migrationsgemeinden veröffentlicht. Dazu hat das SPI 370 christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz untersucht. Mehr als 100 dieser Gemeinden wurden seit der Jahrtausendwende gegründet. Christliche Migrationsgemeinden unterstützen ihre Mitglieder in vielen Fragen des Lebens und tragen damit zur Integration in der Schweiz bei.

Forschungsergebnisse und Buchbestellung

«Missionen sind ein notwendiges Übel» - Artikel zur Migrationsstudie auf kath.ch

Judith Albisser und Arnd Bünker (Hrsg.); Kirchen in Bewegung. Christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz; 250 Seiten; Edition SPI; St. Gallen 2016.



05.09.2016

«Nahe sein bis zuletzt»

Ein Ratgeber für (pflegende) Angehörige und Freunde

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23.06.2016

Religion

terra cognita 28/2016 - Schweizer Zeitschrift zu Integration und Migration der Eidgenössischen Migrationskommission EKM

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