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 Aktuell 

«Brüder und Schwestern»

Zwei neue Bibelübersetzungen

Rechtzeitig zum Reformationsjubiläum ist Ende 2016 eine Revision der Bibelübersetzung von Martin Luther erschienen. Und praktisch zeitgleich veröffentlichten die Bischofskonferenzen der deutschsprachigen Länder eine revidierte Fassung der «Einheitsübersetzung». Diese war erstmals 1980 als offizielle Übersetzung für den Gebrauch in der katholischen Kirche, namentlich in der Liturgie, veröffentlicht worden.

Auch wenn heute biblische Texte nicht mehr gleich zur Alltagskultur gehören wie in Zeiten, in denen der Gottesdienstbesuch selbstverständlich war und auch in Schule und Religionsunterricht die Bibel einfach «dazugehörten», haben Bibelübersetzungen nach wie vor eine sprach- und kulturprägende Kraft. Es ist deshalb bemerkenswert dass sowohl die neue Luther-Bibel als auch die neue Einheitsübersetzung sich wieder stärker am ursprünglichen Wortlaut orientieren und weniger an der Alltagssprache als die letzten Ausgaben. Die Texte gewinnen dadurch an Prägnanz.

Eine wichtige Ausnahme machen beide Übersetzungen bezüglich der Rolle der Frauen. Wo es sicher zu sein scheint, dass eine ganze Gemeinde angesprochen wird, lautet die Anrede «Brüder und Schwestern». Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass sich das deutsche Sprachempfinden so deutlich gewandelt hat, dass die meisten Bibelleser/innen nicht mehr verstehen und akzeptieren, dass sie – wie im ursprünglichen Text - «mitgemeint» sind.

Da dies längst nicht die einzige Frage ist, die sich bei der Übersetzung der Bibel zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt, lohnt es sich nicht nur, eine oder beide Neuausgaben zu kaufen und sich damit zu befassen, sondern auch einen Einblick in die «Übersetzerwerkstatt» zu gewinnen und die Hintergründe der Revision kennen zu lernen.

Gemeinsam mit dem deutschen und österreichischen Bibelwerk hat das Schweizerische Katholische Bibelwerk, dessen bibelpastorale Arbeitsstelle von der RKZ seit Jahrzehnten unterstützt wird, je eine sehr gut gemachte Ausgabe der Zeitschrift Bibel und Kirche der neuen Einheitsübersetzung und Martin Luthers Bibel gewidmet.

Bibel und Kirche 1/2017 (Martin Luther und «seine» Bibel), Bibel und Kirche 2/2017 (Die neue Einheitsübersetzung), Bezugsadresse: Bibelpastorale Arbeitsstelle SKB, Bederstrasse 76, 802 Zürich; info(at)bibelwerk.ch



Kirchliche Finanzen – Ein Ort der Mit-Verantwortung für Laien

Fachtagung des ZdK für eine verantwortungsvolle, nachvollziehbare und transparente Finanzgestaltung in der Kirche

Am 16./17. Juni 2017 führte das Zentralkomitee der deutschen Katholischen (ZdK) in Siegburg bei Bonn eine Fachtagung zum Thema «Kirchliche Finanzen – Ein Ort der Mit-Verantwortung für Laien» durch. Gerade aus Schweizer Sicht war diese Fachtagung sehr interessant, wird doch die Laien-Mitverantwortung in Fragen der Kirchenfinanzierung in der Schweiz oft als «die Spezialität» und Qualität des schweizerischen Sonderfalls mit seiner dualen Struktur gewürdigt. Und dies gar nicht so selten auch in kritischer Absetzung vom deutschen Nachbarland, wo Demokratie und Mitbestimmung in der katholischen Kirche keine Rolle spiele, weil das Geld bei den Bischöfen sei.

Als Tagungsergebnis lässt sich jedoch festhalten, dass es zwischen Deutschland und der Schweiz viele Parallelen bezüglich des Kirchensteuersystem und der finanziellen Herausforderungen, mit denen sich die Kirche auseinandersetzen muss, gibt. Ein vertiefter Erfahrungsaustausch und ein Blick auf unterschiedliche Bestrebungen, das Miteinander von Finanz- und Pastoralgremien zu verbessern und den Mitteleinsatz auf die zentralen Aufgaben und Ziele zu fokussieren, könnte zweifellos Impulse für die je eigene Weiterentwicklung geben. Aus Schweizer Sicht besonders bemerkenswert sind Modelle, wie die Verknüpfung von pastoraler Strategie und Einsatz finanzieller Mittel nicht nur vor Ort sondern auf diözesaner Ebene sicherstellt wird – und dies nicht nur zwischen «Kirchensteuervertretung» und Bischof/Ordinariat, sondern auch unter Einbezug des Pastoralrates. Finanzverwaltung wird damit zu einem «synodalen Geschehen» im eigentlichen Sinn.

Vielleicht kann eine nächste oder übernächste Tagung den Wissens- und Erfahrungsaustausch über die Landesgrenzen hinaus verstärken – mit dem Ziel, voneinander zu lernen und so das je eigene System zu verbessern und weiter zu entwickeln.

Tagungsbericht von Daniel Kosch

Medienmitteilung des ZdK

Die Bedeutung der Finanzgestaltung für Arbeit und Ansehen der Kirche in Deutschland 
Referat Prof. T. Sternberg, Präsident des ZdK

Der deutsche Sonderweg – Die kirchlichen Finanzen im deutschen Staatskirchenrecht
Referat Prof. M. Pulte



Präsidium der Landeskirche Bern ist wieder besetzt

Der neue Präsident an der Spitze der Berner Katholiken heisst Heinrich Gisler

Nach einer Vakanz von fast einem Jahr hat die Synode der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Bern am 9. Juni 2017 Heinrich Gisler zum neuen Präsidenten des Synodalrates gewählt. Der 68-Jährige gehört dem Synodalrat seit dem vergangenen Sommer an. Früher war der Personalfachmann Leiter des Bereichs Sozialversicherungen und Vorsorge Post sowie Mitglied der Geschäftsleitung Personal Post. Daneben war er seit 2012 Mitglied der Synode.

Die Wahl eines neuen Synodalratspräsidenten war nötig geworden, weil die im vergangenen Sommer neu gewählte Präsidentin Claire Haltner wenige Tage nach ihrer Wahl schwer erkrankte und ihren Rücktritt erklären musste.



«Hoffnung und Zuversicht für eine aufbrechende Kirche»

Interview mit Renata Asal-Steger, Vizepräsidentin der RKZ, zur Eröffnungsfeier der Weltausstellung zu 500 Jahre Reformation in der Lutherstadt Wittenberg (D).

Frau Asal-Steger, am 20. Mai 2017 waren Sie als Vertreterin der RKZ in Wittenberg, um an der Eröffnung der Weltausstellung zu 500 Jahren Reformation teilzunehmen. Warum engagiert sich die katholische und schweizerische RKZ für ein reformiertes und ausländisches Vorhaben?

Die Bezeichnung Weltausstellung verrät es bereits: Die Wittenberger Veranstaltung «Tore der Freiheit» zum Gedenken an 500 Jahre Reformation soll weltweit und nicht nur national ausstrahlen und so Menschen aus den verschiedenen Erdteilen zusammenbringen. Konkret angestossen hat die Teilnahme der Schweiz der ehemalige Schweizerbotschafter in Deutschland, Tim Guldimann. Die Schweizer Präsenz dokumentiert, dass zeitgleich zur Reformation in Deutschland auch in der Schweiz eine solche Bewegung stattgefunden hat und die Reformationsgeschichte somit nicht allein von Luther, sondern massgeblich auch von Personen und Entwicklungen im Gebiet der heutigen Schweiz mitgeprägt ist. Die RKZ erachtete es daher als sinnvoll und wichtig, dass gerade in Wittenberg, der Lutherstadt, aufgezeigt wird, dass eine Gleichsetzung von Reformation und Luther zu kurz greift. Daher hat die Plenarversammlung auf Antrag des Evangelischen Kirchenbundes SEK und im Einvernehmen mit der Bischofskonferenz SBK beschlossen, die Schweizer Präsenz an der „Weltausstellung Reformation“ mit 70‘000 Franken zu unterstützen.

Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten gehörte ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Marktplatz der Lutherstadt. Was hat sie daran besonders beeindruckt?

Der feierliche ökumenische Gottesdienst bei strahlendem Sommerwetter und unter freiem Himmel mitten im Zentrum des Städtchens Wittenberg wird mir unvergessen bleiben. Rund 4’000 Menschen haben daran teilgenommen. Diese Zahl an Mitfeiern-der beeindruckte mich ganz besonders, sind doch lediglich ca. 10% der Bewohnerin-nen und Bewohner dieser Kleinstadt Christinnen und Christen. Rund 90% gehören keiner Konfession oder Religion an. Eindrucksvoll war neben der ökumenischen Gestaltung der Gottesdienstfeier insbesondere das Predigtwort von Margot Kässmann, Botschafterin der Evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum. Sie sieht in der Weltausstellung ein «Aufbruchsignal für Kirche und Gesellschaft». Neben namhaften Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen nahmen auch zahlreiche politische Grössen an der Feier teil, so auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. In seinem Eröffnungsgrusswort zu «Tore der Freiheit» rief er eindringlich dazu auf, der heutigen Gefahr von Nationalismus und Abgrenzung entgegenzutreten und Tore der Freiheit zu öffnen, nicht zu schliessen.

Im Zentrum des Schweizer Pavillons, der ein gemeinsames Projekt des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und der Bischofskonferenz ist, steht eine Druckerpresse. Sie erinnert an die Bibelübersetzung des Reformators Huldrych Zwingli. Woran aber können die Besucherinnen und Besucher erkennen, dass es sich um einen ökumenischen Pavillon handelt?

Der Schweizer Pavillon mit dem Titel «Prophezey – die Schweizer Reformation» ist in 4 thematische Räume unterteilt. Bereits im ersten Raum wird augenfällig, dass es sich um eine ökumenische Ausstellung handelt. Neben den Silhouetten der Reformatoren Zwingli, Calvin und Luther findet sich auch diejenige von Niklaus von Flüe. Ausserdem hat die Schweizer Bischofskonferenz eine Übersetzung der Bibel ins Deutsche nach Wittenberg gebracht, welche in der Schweiz noch vor der Reformation entstand. Die Bibel als Ausdruck der gemeinsamen Glaubensgrundlage steht im Zentrum der Ausstellung. Bemerkenswert ist, dass einzig dem Schweizerpavillon ein ökumenisches Ausstellungskonzept zugrunde liegt.

Wenn Unternehmen sich finanziell an kulturellen Events oder Ausstellungen beteiligen, ist ihr Sponsoring manchmal gut sichtbar. Die RKZ aber erscheint im ganzen Pavillon nur auf einer Tafel mit anderen Projektpartnern und wurde bei der Eröffnung mit keinem Wort erwähnt. Finden sie das als Präsidentin der RKZ-Kommunikationskommission richtig? Oder wünschten sie sich etwas mehr Öffentlichkeit für die Leistungen der RKZ?

Dass die Beteiligung der RKZ anlässlich der Eröffnung des Schweizer Pavillons unerwähnt blieb, hat mich irritiert und erstaunt. Zu einer professionellen Kommunikation gehört, dass Beteiligte erwähnt und Ihnen gedankt wird. Das ist das eine. Aber das «Nicht-erwähnt- werden» der RKZ in Wittenberg liess und lässt noch etwas Weitergehendes vermissen als lediglich das Nichteinhalten von Kommunikationsregeln. Die RKZ wurde in Wittenberg weder von der SBK noch vom SEK als kirchliche Mitträgerin wahrgenommen. Sie war ein Gast unter vielen. Nichtsdestotrotz: Die Ausstellung in Wittenberg öffnet Tore - mir persönlich Tore der Hoffnung und der Zuversicht im Hinblick auf eine Kirche, die aufbricht und mit den Menschen von heute und ihren Fragen unterwegs ist.



©sekfeps

«PROPHEZEY - die Schweizer Reformation»

Eröffnung des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung Reformation «Tore der Freiheit»

In Wittenberg (D), der Geburtsstadt Martin Luthers, findet derzeit die Weltaustellung zu 500 Jahre Reformation unter dem Motto «Tore der Freiheit» statt. Im Rahmen dieser Ausstellung eröffneten die Schweizer Botschafterin in Deutschland, Christine Schraner Burgener, der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Gottfried Locher, und der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Bischof Charles Morerod, am 20. Mai 2017 den Schweizer Pavillon «Prophezey – die Schweizer Reformation». Die RKZ war durch ihre Vizepräsidentin Renata Asal-Steger und Generalsekretär Daniel Kosch vertreten.

Mit dem Pavillon «Prophezey – die Schweizer Reformation» präsentiert die Schweiz die «andere» Reformationsbewegung, für welche eine Gleichsetzung von Reformation und Luther zu kurz greift. In der Schweiz waren die Reformation und die anschliessenden Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Reformierten nicht nur religiös geprägt, sondern auch politisch und kulturell. Die beiden Konfessionen lernten, dass ein gedeihliches Zusammenleben voraussetzt, dass sich die Eidgenossenschaft aus religiösen Fragen heraushält. Das stärkte den Föderalismus und sorgt bis heute dafür, dass die Kantone für das Verhältnis zu den Kirchen zuständig sind. Wegen der ökumenischen Ausrichtung des Vorhabens unterstützte die RKZ den Schweizer Pavillon auf Wunsch von SBK und SEK mit CHF 70‘000.

Der Pavillon ist in vier thematische Räume unterteilt, welche die Bibel als gemeinsame Grundlage des Glaubens ins Zentrum stellt. Herzstück der Ausstellung ist eine nachgebaute Druckerpresse Forschauers.

Weitere Informationen:

Bildlegende (von links nach rechts):
Andrea Bianca, Vizepräsident des Kirchenrates der Reformierten Kirche des Kantons Zürich
Christine Schraner, Schweizer Botschafterin in Deutschland
Gottfried Locher, Ratspräsident SEK
Mgr Charles Morerod, Präsident SBK



Begleiten - Unterscheiden - Integrieren

Studientag der Schweizer Bischofskonferenz zu «Amoris Laetitia»

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) führte am 9. März 2017 ein Studientag zu dem von Papst Franziskus veröffentlichten postsynodalen Schreiben «Amoris Laetitia» durch, welches richtungsweisende Aussagen zum Stellenwert von Liebe, Ehe und Familie macht. Die Studientagung hatte zum Ziel, die Bedeutung von «Amoris Laetitia» im Kontext der Schweiz herauszuarbeiten und Grundlagen für pastorale Leitlinien der Familienpastoral zur Diskussion zu stellen.

Die drei Hauptreferate des Studientags orientierten sich an den massgeblichen Stichworten des päpstlichen Schreibens - Begleiten, Unterscheiden und Integrieren. Obwohl die Referate sich an Fachleute mit theologischen Kenntnissen richten, sind sie auch für eine weitere Leserschaft sehr wertvoll. Sie helfen zu verstehen, welche neuen Akzente der Papst setzt und weshalb es auf die brennenden Fragen im Bereich der Ehe- und Familienpastoral keine einfachen Antworten und allgemeingültigen Rezepte gibt.

Zudem dokumentieren der Studientag und seine Ergebnisse die Bedeutung von beratenden Kommissionen für die Bischöfe und von professionellen Kommissionssekretariaten wie jenem der Pastoralkommission, das beim Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut in St. Gallen angesiedelt ist. Ohne solche Strukturen ist eine vertiefte Meinungsbildung und auch die «Übersetzung» weltkirchlicher Vorgaben in die Situation und Kultur der katholischen Kirche in der Schweiz nicht möglich. Dies ist auch der Grund dafür, dass die RKZ die Arbeit solcher Einrichtungen mit namhaften Beiträgen unterstützt.

Dokumentation zum Studientag:



©Bruder-Klausen-Stiftung

MEHR RANFT

Programm zum Gedenkjahr «600 Jahre Niklaus von Flüe»

Die ersten der insgesamt elf Kern- und über 90 Mitmachprojekte zum Gedenkjahr «600 Jahre Niklaus von Flüe» sind bereits erfolgreich gestartet. Unter dem Leitmotiv «MEHR RANFT» wird das Bewusstsein für den Mystiker, Mittler und Menschen Niklaus von Flüe sowie seiner Frau Dorothee Wyss weit über die Kantonsgrenzen hinaus gestärkt und in alle Landesteile der Schweiz getragen.

Die RKZ und verschiedene kantonalkirchliche Organisationen unterstützen das Gedenkjahr mit namhaften Beiträgen.

Mehr Informationen zum Gedenkjahr 2017: www.mehr-ranft.ch
MEHR RANFT Programmflyer
Flyer zur Vortrags- und Gesprächsreihe «Nachdenken über Niklaus von Flüe»