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Familienvielfalt in der katholischen Kirche. Geschichten und Reflexionen

Der Schweizer Beitrag zur Familiensynode

  

Erwartungsvolle Blicke nach Rom

Obwohl die Hoffnungen gedämpfter sind als im Frühjahr 2015, werden auch im Oktober viele engagierte Katholikinnen und Katholiken erwartungsvoll nach Rom schauen, wenn die Bischofssynode zu Familienfragen tagt. Wie werden die Bischöfe aus aller Welt die vielfältigen Herausforderungen gewichten, mit denen Familien und Lebensgemeinschaften konfrontiert sind? Wie werden sie mit den «heissen Eisen» umgehen? Werden sie von der Wirklichkeit ausgehen, samt Brüchen und Widersprüchen? Werden sie wirklich neue Wege suchen oder bloss Auswege? Werden sie Jesu Forderung nach Barmherzigkeit genauso «wörtlich» nehmen wie das Verbot der Ehescheidung? Wird Papst Franziskus auf der Basis der Beratungen eine Entscheidung fällen? Und wenn ja: Welche?

Diese Fragen sind wichtig: Für das Bild von Familie, das die Kirche vermittelt. Für ihren Umgang mit Vielfalt. Für ihre Haltung gegenüber Menschen, deren Lebensentwürfe zerbrechen und gegenüber Paaren, die an ihren Idealen scheitern. Und selbstverständlich auch für das Bild der Kirche und jenes von Papst Franziskus: Sind sie wirklich zur Veränderung bereit? Oder reden sie nur davon und erwarten sie von anderen?

Jede Familie, jede Lebensgemeinschaft ein Einzelfall

Gleichzeitig ist festzuhalten: «Rom» ist nicht die Kirche. Den Realitäten der Familienvielfalt muss die katholische Kirche in der Schweiz sich unabhängig davon stellen, was in Rom gesagt oder entschieden wird. Auch der beste Papst wird uns die Aufgabe nicht abnehmen, als Individuen, als Familien, als Seelsorgende und als Pfarreien mit der Realität der Familienvielfalt umzugehen. Jede Familienpastoral ist orts- und situationsbezogen. Und jeder Ort, jede Situation erfordert die ihr angemessene Familien- oder besser: Beziehungspastoral. Längst geht es nicht mehr darum, «im Einzelfall» Lösungen für besondere Situationen (z.B. Wiederheirat nach Scheidung, gleichgeschlechtliche Partnerschaft) zu finden. Vielmehr gilt es zu anerkennen: Jede Familie, jede Lebensgemeinschaft ist ein Einzelfall.

Ein lebensnahes und praxisrelevantes Buch

Solche Überlegungen waren der Anstoss für das Buch «Familienvielfalt in der katholischen Kirche. Geschichten und Reflexionen», das soeben erschienen ist. Arnd Bünker, Verantwortlicher für die Umfragen zu den beiden Familiensynoden und Hanspeter Schmitt, Professor für theologische Ethik an der Theologischen Hochschule Chur, haben es herausgegeben. Etliche kantonalkirchliche Organisationen, besonders jene im Kanton Zürich sowie das Bistum St. Gallen haben es grosszügig gefördert. Es enthält fünf Familienporträts ganz unterschiedlicher Art, verfasst von der Journalistin Christina Caprez und vom Journalisten Martin Lehmann. Darüber hinaus enthält es sechs spannende Interviews mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft und aus der Seelsorge sowie mit unterschiedlichen Fachleuten. Fotos und ein attraktives Layout erhöhen die Lesbarkeit.

Arnd Bünker charakterisiert das Buch wie folgt: «Es ist in einem journalistischen Stil gehalten, lebensnah und praxisrelevant. Es ermöglicht eine gut verständliche Auseinandersetzung mit den Fragen der Familiensynode. Das Buch eignet sich 

  • als Sommerlektüre
  • als Grundlage für pastorale Arbeit in Pfarreien und in Gruppen
  • als Lesestoff für den Religionsunterricht und
  • als Ausgangspunkt für die Reflexion in Pfarreien, Kirchgemeinden, Gruppen und unter Seelsorgenden.»

In seiner zusammenfassenden Würdigung verwendet Hanspeter Schmitt den Begriff «Inspiration für anstehende Dialoge und Reformen». Solche Dialoge und Reformen braucht es nicht nur in Rom, sondern auch in der Schweiz. Das Buch liefert dazu spannende Einblicke und fundierte Reflexionen. Ich wünsche ihm viele Leserin-nen und Leser und eine breite Aufmerksamkeit!

Leseprobe zum Buch «Familienvielfalt in der katholischen Kirche. Geschichten und Reflexionen»

Arnd Bünker / Hanspeter Schmitt (Hg.), Familienvielfalt in der katholischen Kirche. Geschichten und Reflexionen, Edition NZN bei TVZ, Zürich 2015, 155 Seiten, CHF 25.--