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Der Rat der Religionen Schweiz sagt Nein zum Verhüllungsverbot

Vertreterinnen und Vertreter der grossen Religionsgemeinschaften der Schweiz sprechen sich einstimmig gegen ein geplantes Verhüllungsverbot aus.

In einer Medienkonferenz per Zoom präsentierte der Schweizerische Rat der Religionen (SCR) eine gemeinsame Stellungnahme zur Volksabstimmung am 7. März 2021.

Der SCR, dem Vertreterinnen und Vertreter der christlichen, jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften der Schweiz angehören, lehnt die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» ab. Er stellt sich gegen eine unverhältnismässige Einschränkung der Religionsfreiheit. Seine Mitglieder setzen sich gemeinsam für einen respektvollen Umgang mit den Anhängerinnen und Anhängern der Religionsgemeinschaften ein. Der Rat begrüsst statt der Initiative den indirekten Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament.

«Als Repräsentantinnen und Repräsentanten der grössten Schweizer Religionsgemeinschaften wollen wir heute zusammenstehen und zeigen, dass ein Verhüllungsverbot nichts für ein friedliches Miteinander in unserem Land beitragen kann», sagte einleitend SCR-Präsident Harald Rein, Bischof der Christkatholischen Kirche in der Schweiz. In der Medienkonferenz betonten die Ratsmitglieder die Religionsfreiheit als einen wichtigen Pfeiler in der liberalen rechtsstaatlichen Demokratie. Dieses Menschenrecht schützt auch religiöse Praktiken wie Kleidervorschriften. «Beinahe jede Religion kennt unterschiedliche Verhüllungen des Körpers als Zeichen menschlicher Ehrfurcht und Verehrung für einen Gott. Solche persönliche Glaubensüberzeugungen verdienen Respekt, weil sie untrennbar zur Identität der Gläubigen gehören», erläuterte Montassar BenMrad, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz.

Die Religionsfreiheit ermöglicht und fördert religiöse und kulturelle Pluralität und schützt die Religionsgemeinschaften vor Druck von innen und aussen. Dieses Grundrecht im scheinbaren Interesse der öffentlichen Sicherheit ausser Kraft zu setzen, hält der SCR für falsch und unverhältnismässig. Die Initianten argumentieren vordergründig mit Sicherheitsbedenken gegenüber jeglichen vermummten Personen und dem Schutz vor Kriminalität. «Die Initiative verfehlt ihr Anliegen», sagt Bischof Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. «Die angeordnete Enthüllung wird keine Garantie für Gewaltlosigkeit bieten.»

Deshalb spricht sich der Rat der Religionen für den indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates aus, der die Enthüllung nur für Identifikationszwecke durch die staatlichen Behörden vorsieht. Aus Sicht von Ralph Lewin, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, «dürfen Einschränkungen der Religionsfreiheit nur äusserst zurückhaltend eingesetzt werden und müssen verhältnismässig sein. Der Gegenvorschlag ist in dieser Hinsicht vertretbar».

Die Gesetzesänderung würde sich vor allem gegen eine kleine Gruppe muslimischer Frauen richten, die damit in einen doppelten Konflikt gerieten: einer religiösen Forderung zur Verhüllung und dem entgegengesetzten staatlichen Zwang zur Enthüllung. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, betonte, wie wichtig dem SRC in seiner Stellungnahme die Gleichstellung der Geschlechter und das Verbot jedweder Diskriminierung sind. «Wenn wir bei verschleierten Frauen stets Unterdrückung und Herabsetzung vermuten, werden wir der Vielfalt der religiösen Selbstdeutungen von Frauen nicht gerecht.» Vielmehr müssen in den Augen des SCR weiterhin die Rechte von Frauen gestärkt werden.

Der SCR anerkennt die Ängste und Sorgen der Bevölkerung vor religiöser Radikalisierung und Gewaltideologien. Die Initiative bietet hier aber keinen Lösungsansatz. «Ideologien, die zur Gewalt aufrufen, sind eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit, unabhängig davon, ob sie sich hinter einem Schleier verstecken», so Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz. Umso wichtiger ist deshalb ein offener gesellschaftlicher Dialog.

Stellungnahme des Schweizerischen Rates der Religionen zur Verhüllungsverbotsinitiative



Religion und Spiritualität in der Schweiz im Wandel

Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2019 des Bundesamtes für Statistik BFS

2019 gaben über 70% der Bevölkerung in der Schweiz an, einer Religion anzugehören. Ein Viertel der Bevölkerung nimmt mehr als fünfmal pro Jahr an einem Gottesdienst teil und eine Mehrheit betet mindestens einmal pro Jahr. Gut 8% waren gemäss eigenen Angaben Opfer von Diskriminierung aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit. Im Vergleich zu 2014 hat die Bedeutung von Religion und Spiritualität bei der Erziehung der Kinder abgenommen. Dies sind einige Ergebnisse der zweiten Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur.

Dokumente:



youth4participation.ch

«ausgeschlossen, zurückgelassen, überflüssig? – Realitäten junger Menschen in der Schweiz!

Das Netzwerk youth4participation.ch will gemeinsam einer wachsenden Realität in der Schweiz entgegenwirken: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene erfahren sich von gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen, erleben sich zurückgelassen, fühlen sich überflüssig.

Mit seiner Webseite will das Netzwerk youth4pariticipation.ch für ihre Anliege sensiblisieren und weitere Netzwerkpartner*innen aus Kirchen und Zivilgesellschaft einladen, ihre Kompetenzen einzubringen. Gleichzeitig lädt youth4pariticipation.ch alle Interessierten ein, sich an ihrer Tagung am 04. September 2021 aktiv zu beteiligen und in einen direkten Dialog mit den jungen Menschen und Fachpersonen zu treten.

Das Netzwerk wurde auf Initiative von Prof. Salvatore Loiero gemeinsam mit Verantwortlichen der offenen und organsierten Jugendarbeit in der Deutschschweiz und YoungCaritas entwickelt.

Informationen und Kontakt: youth4participation.ch



Die schweizerischen Kirchen in Zeiten von Corona

Einladung zur ökumenischen Online-Tagung vom 16 März 2021

Wie haben die Kirchen und ihr Personal während des ersten Lockdowns auf die Herausforderungen reagiert? Wie wurde ab Ostern 2020 die gottesdienstliche, seelsorgerliche, diakonische und bildungsbezogene Praxis «auf digital» umgestellt? Hat sich inmitten dieser Veränderungsprozesse das Selbstverständnis des pastoralen Personals gewandelt? Zeigen sich im Vergleich katholischer und reformierter Praxis wesentliche Unterschiede? Und was wird bleiben von den experimentierten Formen digitaler Formate – auch über die Corona-Zeit hinaus?

Auf der Online-Tagung am 16. März 2021 werden Schweizer Ergebnisse der grossen internationalen Umfrage CONTOC («Churches Online in Times of Corona») präsentiert und diskutiert. Anschliessend sollen mögliche langfristige Perspektiven  insbesondere für die zukünftige Kirchenentwicklung sondiert werden. Zudem besteht die Möglichkeit über den Austausch von erprobten «best practices» im Bereich digitaler gemeindlicher Praxis und Netzwerkbildung.

Diese Online-Tagung richtet sich an Pfarrpersonen und Seelsorgende, Mitarbeitende aus Kirchgemeinden sowie Verantwortliche aus den Diensten und Leitungen der Bistümer und kantonalkirchlichen Organisationen.

Weitere Informationen findet man unter: www.contoc.org



©SRK, Susanne Goldschmied

Manifest

zur Nationalen Förderung von freiweiliggem Engagement

Die RKZ unterstützt zusammen mit mehr als 30 Organisationen in der Schweiz das Manifest zur nationalen Förderung von freiwilligem Engagement, welches vom Netzwerk freiwillig.engagiert erarbeitet und am 17. November 2020 der Nationalratspräsidentin Isabelle Moret übergeben wurde. Damit soll sichergestellt werden, dass Freiwilligenarbeit auch in Zukunft attraktiv und gesellschaftlich relevant bleibt, denn sie ist ein wesentlicher Bestandteil des politischen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens der Schweiz.

Das Manifest zur nationalen Förderung von Freiwilligenarbeit enthält vier Forderungen:

  • Schaffung einer Ansprechstelle beim Bund für zivilgesellschaftliches und freiwilliges Engagement
  • öffentliche Anerkennung von Freiwilligenarbeit durch die Aufwertung des Internationalen Tages der Freiwilligen am 5. Dezember und auf kommunalen Webseiten.
  • Abbau von administrativen und rechtlichen Hindernissen gegenüber Freiwilligenarbeit durch Aufhebung unnötiger Bewilligungs- und Meldepflichten.
  • Schaffung eines nationalen «Freiwilligen-Urlaubs» für Personen über 30 Jahre sowie eines «Freiwilligen Sozialen Jahres» für unter 30-Jährige.

Download Manifest



© Christoph Läser

Musik statt Gottesdienste

Die römisch-katholische Kirche Don Bosco in Basel wurde zum Musik- und Kulturzentrum umgebaut.

Immer mehr Gotteshäuser stehen leer und müssen zwangsweise neu gedacht werden. So wurden in der Schweiz bereits über 200 kirchliche Bauten umgenutzt. Eine davon ist die röm.-kath. Kirche Don Bosco im Basler Breitenquartier. 7 Jahre nach ihrer Schliessung ist in der Kirche neues Leben eingekehrt. Neu nutzen Musikensembles den Hauptraum und weitere Säle für Proben und Konzerte. Mit der Kapelle bleibt ein Stückchen kirchliche Heimat erhalten. Am 17. Oktober 2020 wurde das neue Musik- und Kulturzentrum feierlich eröffnet.

Weiterführende Informationen



«Wenn über Nacht ein Wunder geschieht»

Statements von kirchlichen Funktionär*innen und Mitarbeitenden anlässlich des RKZ Fokus 2020.

Stellen Sie sich vor, über Nacht ist ein Wunder geschehen und am anderen Morgen ist die Kirche so, wie Sie sich diese wünschen. Was ist dann anders?

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen einen Zauberstab und könnten damit konkrete Dinge in der Kirche verändern. Welche Veränderungen würden Sie als erste herbeizaubern? 



© ray sangga kusuma

Auch ohne Corona viel Solidarität

Freiwilligen-Monitor 2020

Alle 4 Jahre wird in der Schweiz der freiwillige Einsatz zum Wohl von Mensch, Gesellschaft und Umwelt mit einer landesweiten Befragung erforscht. Der Freiwilligen-Monitor Schweiz informiert über den aktuellen Stand des unbezahlten gesellschaftlichen Engagements und bringt in Erfahrung, warum sich Personen inmitten einer monetär geprägten Welt ohne Lohn fürs Gemeinwohl einsetzen und so den Zusammenhalt und die Lebendigkeit der Gesellschaft fördern. 

Der Freiwilligen-Monitor Schweiz 2020 hat drei Bereiche genauer untersucht: Erstens wurde nach den Gründen gefragt, warum Menschen nicht mehr oder noch nicht freiwillig tätig sind und unter welchen Umständen sie sich in bestimmten Bereichen freiwillig engagieren würden. Es wurde zweitens differenziert nach den dank unbezahlten Engagements Begünstigten gefragt, um künftig Freiwilligenarbeit und Angehörigenbetreuung besser zuordnen zu können. Und drittens wurden die Formen finanzieller Vergütungen und Entschädigungen genauer erfragt, um künftig unbezahlte Freiwilligenarbeit und entschädigtes gemeinnütziges Engagement klarer unterscheiden zu können.

Gerade in der Corona-Krise haben Bundesämter und Kantone, Unternehmen und Schulen den Wert des freiwilligen Engagements stärker entdeckt und Freiwilligenarbeit als Quelle und Ausdruck einer lebendigen und solidarischen Gesellschaft erlebt. Wenn die verschiedenen gesellschaftlichen Akteure das freiwillige Engagement vermehrt gemeinsam fördern, stehen die Karten gut, dass wir auch künftig gesellschaftlichen Herausforderungen mit innovativen Lösungen erfolgreich begegnen werden.

Hier können Sie das Buch kostenlos als Open Access Publikation beziehen

Markus Lamprecht, Adrian Fischer, Hanspeter Stamm (Hrsg.); Freiwilligen-Monitor Schweiz 2020; 144 Seiten, Juni 2020.



«ICH BIN STOLZ DRAUF»

©benevol Schweiz

Dank Freiwilligenarbeit erst machbar – machbarer Dank für Freiwilligenarbeit

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